Perspektiven ohne Gewalt

Projekt Paz y bien – Calí [Kolumbien]


Der Bürgerkrieg in Kolumbien nimmt kein Ende. Viele Jugendliche ohne Perspektive landen in gewalttätigen Banden. Andere werden durch brutale Zwangsrekrutierung der Paramilitärs, des staatlichen Militärs oder der Guerilla gezwungen, als Soldaten in organisierten Gruppen die Bevölkerung zu terrorisieren. Bei Menschenrechtsorganisationen gehen nahezu täglich Hilferufe zur Aufklärung von gewaltsamen Entführungen und Ermordungen ein.

Das Armutsviertel Aguablanca in Calí, Kolumbien, ist geprägt von Gewalt. Der Bürgerkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Zahllose Jugendliche ohne Hoffnung auf ein gutes Leben haben die gewalttätigen Verhaltensweisen übernommen. In kriminellen Jugendbanden bedrohen sie die Bewohner des Viertels und nehmen sich mit Gewalt was sie wollen.

Die MitarbeiterIinnen und Mitarbeiter des vor über 20 Jahren gegründeten Jugendprojekts Paz y Bien wollen den Jugendlichen eine bessere Zukunft ermöglichen. In mittlerweile zehn Jugendhäusern finden sie Schutz, medizinische und psychologische Betreuung sowie Unterstützung bei der Suche nach einem Schulplatz oder einer Lehrstelle. Durch öffentliche Veranstaltungen informiert Paz y Bien über seine Arbeit und sorgt dadurch für Verständnis und Rückhalt im Quartier.

Der Grundgedanke von Paz y Bien ist Wiedergutmachung und Versöhnung: In Gesprächen sollen sich die Jugendlichen ihre gewalttätigen Taten eingestehen, um dann den angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Sie entschuldigen sich entweder direkt bei den Opfern oder durch gemeinnützige Arbeit. So können die Jugendlichen wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden. terre des hommes schweiz unterstützt das Projekt seit 2009 und bietet damit Jugendlichen eine Chance auf Reintegration.

Calì, Kolumbien

50 Jahre Gewalt

Seit mehr als 50 Jahren herrscht in Kolumbien Krieg. Die Ziele der Konfliktparteien (linksgerichtete Guerilla, rechte Paramilitärs und das staatliche Militär) sind undurchschaubar. Als eine der wesentlichen Ursachen des Konfliktes gilt die soziale Ungleichheit auf dem Land: 90% des Bodens sind in den Händen von nur 5% der Bevölkerung. Diese ungleiche Verteilung von arm und reich war der Anlass für die Gründung der Guerillagruppen. Ein weiteres Problem sind die Interessen internationaler Konzerne, die sich die wertvollen Rohstoffe Kolumbiens zu Nutze machen wollen. Hinzu kommt die Produktion und der Handel mit Kokain: Neben dem Waffen- und Ölgeschäft ist der Drogenhandel der bedeutendste Wirtschaftszweig des Landes.

In Kolumbien schlägt die Gewalt um sich. Durch die über vier Millionen intern vertriebenen KolumbianerInnen lösen sich traditionelle Familienstrukturen und Gesellschaftssysteme auf. Das äußert sich in wachsender Gewaltbereitschaft, auch in Familien. Die Kinder haben genug von den Misshandlungen, gehen auf die Straße und formieren sich in Schutzgruppen. Die Jugendlichen in solchen Banden sind häufig gezeichnet durch traumatische Erfahrungen wie die Ermordung Familienangehöriger oder die gewaltsame Vertreibung.

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